Heute: Wieder einmal kramen in meinem Archiv, und was finde ich: Die einzige Aufnahme, die ich jemals mit versteckter Kamera gemacht habe.
Zu dem komme ich drauf, dass es (hier dokumentiert) sogar einmal möglich schien, sich zu rehabilitieren.
Kategorie: Von Früher
Erkenntnis des Jahres
Ein Konflikt, dessen Ursache nicht Besitzanspruch ist, und in dem sich mindestens eine Konfliktpartei an streng materialistischen Werteordnungen orientiert, ist nicht lösbar. Denn diese Partei wird so einen Konflikt gar nicht als solchen Erkennen und anerkennen. Gegebenenfalls wird sie versuchen, den Konflikt auf eine Besitzanspruchsebene zu transformieren oder als Störung des Verfügungsrechtes über das EIGENE GUT zu interpretieren . Und somit kann es erst recht keine Lösung geben.
Topfenstrudel mit Vanillesauce
Beim Stöbern in meinem Archiv bin ich gestern auf einen Text gestoßen, den ich 2012 als Beitrag für einen Adventkalender verfasst habe. Damals hat meine Mutter, die in diesem Erlebnisbericht vorkommt, noch gelebt, und ich konnte ihr den Text vorlesen. Wir haben beide sehr lachen müssen und sind in anekdotische Erinnerungen verfallen. In der Vorweihnachtszeit denke ich noch häufiger als sonst an meine mittlerweile verstorbene Mutter. Weihnachten war ihr Fest, auch wegen der mehr als besonderen Ereignisse im Dezember 1944, die sie Zeit ihres Lebens mit diesem Fest verbunden hat. Das ist aber eine andere, viel größere Geschichte, die zu erzählen … vielleicht ein andermal. Genug der Abschweifung. Im folgenden Text geht es um ein Erlebnis aus der Zeit, als ich in der Zinckgasse im 15. Wiener Bezirk die Sonderschule für Sehbehinderte besucht habe, ein Advent-Erlebnis aus meiner Volksschulzeit.
12. Als ich Udo Jürgensingen hörte.
Veröffentlicht am 12. Dezember 2012
Es muss im Jahr 1978 oder 79 gewesen sein. Auf jeden Fall war es in jenem Jahr, als die erste Licht ins Dunkel Gala in der Aula der Wiener UNO City stattfand. Denn genau diese Gala besuchten wir, nicht alle von uns, aber doch die Meisten, nach dem folgendes geschehen war:
Schon am Morgen dieses Tages war alles irgendwie anders: Onkel Gerhard, der uns sonst eher genervt, fast ein wenig rüde geweckt hatte, schien an diesem Tag so sanftmütig. Er begleitete uns sogar zum Waschraum am Ende des Internatsganges und achtete penibel drauf, dass sich alle gründlich wuschen: „Auch den Hals sauber machen!“, ermahnte er einen meiner Mitzöglinge in der Lacknergasse. Nachdem wir uns angezogen hatten, kontrollierte er auch noch unsere Kleidung, was noch nie vorgekommen war.
Dann ging es wie jeden Tag mit dem Bus in die Schule.
Spätestens als ich nach dem Unterricht das Schulgebäude verlies und wieder den Bus bestieg – halt, das war nicht der gleiche Bus, wie am Morgen, der roch völlig anders, irgendwie neu, dachte ich – also spätestens in diesem Moment war ich mir sicher: „Heute muss ein ganz besonderer Tag sein!“
Obwohl bereits alle mitzunehmenden Internatsschüler im Bus saßen, fuhr dieser nicht ab. Schüchterne Unmutsäußerungen: „Wann gehts den los, foa ma!“ verstummten sofort, als die Schul- und die Internatsdirektorin den Bus betraten: „Wir haben eine Überraschung für euch!“, eröffnete uns eine der beiden. Und gemeinsam klärten sie uns dann auf, weshalb dies so ein besonderer Tag war.
Wir würden heute nicht zum Mittagessen ins Internat fahren, wir seien eingeladen. Zu diesem besonderen Anlass hätte uns die Firma Dr. Richard sogar einen ganz neuen Bus geschickt, so neu, dass noch nicht einmal das Dr. Richard Firmenlogo auf den Bus gemalt werden konnte. „Aha, ich hatte recht, der Bus ist neu!“ freute ich mich. Und gleich folgte die nächste Überraschung: Und dazu seien auch unsere Eltern eingeladen. In diesem Moment zwängten sich Mütter und Väter vorbei an der Direktorenschaft durch den engen Gang zwischen den Sitzreihen zu ihren Kindern. Manchen meiner Mitschüler war in diesem Augenblick wohl das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Und auch ich fühlte mich irgendwie ertappt, freute mich aber dann doch sehr, meine Mutter neben mir sitzen zu haben, Und ab ging’s auf die Sophienalpe.
Dort aßen wir zu Mittag. Was wir dort als Hauptgang bekamen, weiß ich heute nicht mehr. Als Nachspeise gab es Topfenstrudel mit Vanillesauce. Daran erinnere ich mich noch, als ob der besondere Tag gestern gewesen wäre.
„Mama, das ist grauslich!“ entkam es mir und auch von den anderen Tischen vernahm man ähnliche Kommentare.
„Das darf man nicht sagen, wenn man eingeladen ist“, wies mich meine Mutter zurecht. Dass ich trotzdem aufessen sollte, brauchte sie nicht dazu sagen. Das hab ich schon im Internatsspeisesaal bei Blutwurst und Beuschel gelernt.
Nach dem Essen bestiegen wir wieder den unbefleckt weißen Dr. Richard Bus. und fuhren ab Richtung Wiener Uno City. Den Besuch der „Licht ins Dunkel Gala“ hatten uns die Direktorinnen schon während der Nachspeise angekündigt. Vielleicht, um uns zu motivieren, den Strudel aufzuessen.
Zuerst galt es aber noch die Serpentinen der Höhenstraße hinunter nach Wien zu bewältigen. Normalerweise kein Problem. Doch nach einem offensichtlich verdorbenen Topfenstrudel mit Vanillesauce schon. Was soll ich sagen: Unten angekommen roch der blütenweiße Dr. Richard Bus nicht mehr neu.
Sicher zwei drittel der Schüler und Eltern, auch eine der Direktorinnen, mussten sich den Berg hinunter übergeben. In der gebotenen Eile waren in diesem beinahe kollektiven Erbrechen natürlich nicht genug Säckchen und Tüten aufzutreiben, um die Topfenstrudelreste einzusacken. Und so blieb dem Busfahrer am Fuß des Kahlembergs nichts mehr anderes übrig , als zu erst fluchend, dan heulend festzustellen: „Vor ana viertl Stund war der Bus nu Fabrikneich, jetzt stinkt a wia a Saustoi!“
Weiter ging’s zur Notfall-Ambulanz des AKH.
Dort mußten doch nur drei meiner Mitschüler aufgenommen werden. Die anderen und auch ich hatten sich mittlerweile erfangen. Während der Wartezeit in der Ambulanz konnte der Busfahrer auch ein anderes Fahrzeug aus der Dr. Richard Garage auftreiben. An so einem besonderem Tag war sogar das möglich!.
Etwas zu spät , aber doch, kamen nicht alle, aber doch die Meisten von uns dann in die UNO City. Nach bestandener Personenkontrolle betraten wir, wahrscheinlich nicht unbedingt wohl riechend den Saal, während Udo Jürgens sein: „Alle Blumen blüh’n gleich“ voller Inbrunst schmetterte.
Nach der Show gab mir sogar Peter Rapp die Hand. Das war schon damals für mich nichts wirklich Besonderes, aber für meine Mutter schon. Und noch heute, mehr als dreißig Jahre später schildert sie mir gelegentlich dieses Bild, als ich Peter Rapp die Hand gab. Mir ist dreißig Jahre später eher der Topfenstrudel in Erinnerung.
Und nur falls es jemanden interessiert: Ich hab ihn nicht befleckt, den makellosen, Fabriksneuen Dr. Richard Bus!
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Erkenntnis des Tages 17
Scheiss Geld !!!!!
Wie die Faust aufs Aug‘
Ich befand mich gerade auf dem Weg zur Mülltonne, als mich heute nachmittag gegen 14 Uhr eine meiner reizenden Nachbarinnen, von ihrem Fahrrad herab, auf welchem sie mir am Gehweg hinter unserem Wohnhaus fahrend entgegen kam, ermahnte: „Griasn konn a a ned!“ Ich war zugegeben konsterniert, hab mich aber schnell wieder einigermaßen beruhigt, kehrte in die Wohnung zurück und hörte mir dieses Kurzhörspiel an, wie immer nach solchen Vorwürfen. Und es hat geholfen, wie meist.
Das Hörspiel habe ich im Oktober 2014 ursprünglich für einen Radiosender produziert. Es hat mich aber auch selbst schon gelegentlich beruhigt.
Es passt nicht nur wegen der ersten Strophe des Liedes im Hörspiel wie die Faust aufs Aug‘ zum heutigen Tag. Es gibt noch einen anderen Grund:
Der Song im Kurzhörspiel ist eine Interpretation, frei nach: I haaß Latta, Misthaufen; re (MC Misthaufen & Erhard Busek, 1978: Hit aus Wien; oder auch LP Hart aber ungerecht, 1977)
Das Hörspiel trägt den Titel:
Jeder braucht ein Plätzchen – oder – Damals, als es sogar in der ÖVP noch Leute gab, die Bedürfnisse von Menschen vor die Bedürfnisse der Wirtschaft stellten und denen auch das Recht des Anderen ein Anliegen war.
Am Heutigen Tag würde ich damit doch die Bitte oder Hoffnung verbinden, dass den Zukünftigen Machthabern die Schwachen in unserem Land nicht nur noch als Sündenböcke dienen. Nach diesem Sozialabbau- und Sozialneid-Wahlkampf eigentlich aller Parteien muss man allerdings befürchten, dass es genau so kommen wird. Wer dann auf der Strecke bleiben wird? Ganz sicher auch viele Wähler dieser hemmungslos stimmenmaximierenden Opportunisten.
Hoppla, ich schweife doch etwas ab. Nun zum Hörspiel:
Nach 22 sekündiger Einführung ins Geschehen, entledigt sich der Hauptprotagonist 2 Minuten und 29 Sekunden lang musikalisch seines Ärgers. Danach folgt eine 19 Sekunden dauernde Rede im „Erhard Busek Style“ der 70er Jahre, darauf folgend zwei E-Piano Zwieklänge und zum Schluss drei Sekunden Stille. Macht insgesamt 3 Minuten und 15 Sekunden;
Marion: Aufregung, Heimklavier, Gesang; Technik
Jose Maria Guchmali: Perkussion, Gesang; PR
Andi: Erstaunen, Kontrabass, Gesang, Rede; Arrangement, Technik, Produktion
Aufgezeichnet und produziert am 13.10.2014, in unserem Balkonzimmer;
Damals wurde an den Radiosender von deutschen Hörern mehrfach der Wunsch nach einer Übersetzung herangetragen. Dem kamen wir nach und drum möchte ich Euch den Versuch einer Übertragung des Refrains ins Hochdeutsche auch hier nicht vorenthalten:
Ich heiße „Leiter“,
Kamerad krabbel von mir herunter!
Mach ’ne Fliege,
Nimm jemand anderen auf den Arm
Und komm mal wieder runter!
Kurz zusammengefasst: Reg dich nicht auf!