Prolog

Nach Jahren des Werbens um Verständnis für meine Lebenssituation als blinder / hochgradig sehbehinderter Mensch reift in mir immer stärker die Erkenntnis, dass mein unmittelbares Umfeld am Wenigsten mit mir, mit meinen allgemeinen und speziellen Bedürfnissen, mit dem was für mich wichtig ist – kurz mit mir zurecht kommt.
Ganz bestimmt liegt das auch an mir selbst und an der völlig anderen Ordnung an Werten, Notwendigkeiten oder Ängsten, welche das Leben eines Menschen, der seine Augen nicht mehr oder kaum noch nutzen kann, mit sich bringt.
Ein Mindestmaß an Verständnis für meine Lebenssituation würde ich mir aber zumindest von jenen Menschen wünschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. Und dieses Mindestmaß scheint mir in der letzten Zeit immer mehr verloren zu gehen, falls es jemals vorhanden war.

Die Gründe für den immer schneller voranschreitenden Verlust an menschlicher Solidarität, das Werben um Verständnis für den Schwächeren, für den ANDEREN, für den, der es sich aber nicht ausgesucht hat, anders zu sein, den das „Anders sein“ täglich behindert, dem es allenthalben Schwierigkeiten macht und Kopfzerbrechen bereitet – Darum dieser Blog!

Andreas

www.peinlich.eu
Kommentare, auch oder speziell solche, die nicht mit der Meinung in den Beiträgen einverstanden sind, würde ich mir ausdrücklich wünschen.
Für jede Anregung, Ergänzung und Korrektur bin ich dankbar!
Persönlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit bin ich auch per Mail erreichbar: blog (at) peinlich.eu

Prolog – Erster Beitrag vom 8.Mai 2017

„Peinlich berührt werden sie.“ und
„Beschämt sind sie, wenn sie dich sehen – mit deinem Blindenstock.“ und
„Deshalb grüßen dich Leute, die dich früher kannten, nicht mehr, deshalb sprechen sie dich nicht an.“,
hat mir eine alte Bekannte erklärt, als ich nach dem Grund dafür gefragt habe, weshalb mich niemand mehr in der Öffentlichkeit grüßt, Sogar Menschen, mit denen ich vor dem Weißen Stock häufig zu tun hatte oder gar befreundet war oder verwandt bin scheinen mich nicht mehr zu kennen, habe ich gedacht. Aber jetzt weis ich, sie kennen mich noch! Mein Anblick berührt die Menschen peinlich und beschämt sie?
Und das will ich eigentlich nicht!
Hätte ich die Frage bloß nie gestellt!
Was soll ich jetzt tun? Mich verstecken? Nach Menschen suchen, die ich nicht peinlich berühre? Oder gar Leuten glauben, die der Meinung sind, es lege nicht an mir, sondern an meiner Umwelt, die mich behindert?

Vielleicht kann mir die Leserin, der Leser dabei helfen, für mich ein Bild davon zu formen, was meine Nächsten von mir denken.
Und bis dahin muss ich wohl das glauben, was mir meine alte Bekannte gesagt hat, auch wenn es sehr schwer fällt und mich manchmal lähmt. Denn was ich auf keinen Fall möchte: Dass sich Menschen beschämt fühlen, dass sie Schmerz verspüren, nur weil sie mich sehen.

Unzumutbarkeit erfordert Teilzensur!

Bestimmte Ereignisse erfordern gewisse Maßnahmen: Drum habe ich mich entschlossen, die Leserin/den Leser vorübergehend oder auch dauerhaft vor den gefährlichsten und beunruhigendsten Blog-Beiträgen zu schützen. Wenn jemand auf diesen Schutz verzichten möchte, auch kein Problem! Das Passwort der geschützten Beiträge ist der Vorname meines Lieblingskomponisten, (nur Kleinbuchstaben). Alle, die mich besser kennen, wissen wer gemeint ist. Falls nicht: Frage genügt!
(Ergönzung vom 27.8.2017)